Sechs Wochen bis zum Therapieplatz – was tun bis dahin?
Man hat sich endlich durchgerungen, anzurufen – und bekommt einen Termin in sechs Wochen. Manchmal in drei Monaten. Die Zeit dazwischen ist die schwierigste.
30. August 2026
Es gehört zu den bitteren Eigenheiten dieses Feldes: Der Moment, in dem ein Paar bereit ist, sich helfen zu lassen, ist selten der Moment, in dem Hilfe verfügbar ist. Zwischen dem Entschluss und dem ersten Termin liegen oft Wochen. Und die Bereitschaft, die man mühsam zusammengetragen hat, hält nicht unbedingt so lange.
Was in dieser Zeit meistens passiert
Zwei Dinge, und beide sind ungünstig.
Entweder wird alles vertagt. „Das besprechen wir dann in der Therapie" ist ein vernünftig klingender Satz, der in Wahrheit einen Stau erzeugt. Bis zum Termin hat sich so viel angesammelt, dass die erste Sitzung damit vergeht, den Stau zu sortieren.
Oder es eskaliert weiter, weil der Entschluss zur Therapie selbst zum Streitthema wird – wer ihn wollte, wer ihn hinausgezögert hat, was er über den Zustand der Beziehung aussagt.
Was hilft
Kleiner werden. Die Wartezeit ist nicht die Zeit, die großen Fragen zu klären. Es ist die Zeit, den Alltag so weit zu entlasten, dass man den Termin überhaupt gemeinsam erreicht. Eine konkrete Abmachung über einen einzigen wiederkehrenden Reibungspunkt ist mehr wert als drei Grundsatzgespräche.
Aufschreiben statt aufsparen. Was einem wichtig ist, verliert bis zum Termin entweder an Dringlichkeit oder an Genauigkeit. Aufgeschriebenes bleibt verfügbar – und der erste Termin wird deutlich ergiebiger, wenn beide wissen, worüber sie eigentlich sprechen wollen.
Getrennt sortieren, gemeinsam anschauen. Vieles verhakt sich, weil beide gleichzeitig sprechen und reagieren. Erst jeder für sich zu sagen, was ihn beschäftigt, und das Ergebnis danach gemeinsam anzuschauen, nimmt der Sache die Schärfe – ohne dass jemand nachgeben müsste.
Was man in dieser Zeit besser lässt
Große Entscheidungen. Wer in der Wartezeit über Trennung, Umzug oder Kinder entscheidet, entscheidet im Zustand höchster Anspannung. Das sind genau die Fragen, für die der Termin da ist.
Und Ratgeberliteratur im Übermaß. Nichts gegen ein gutes Buch – aber wer sich in der Wartezeit fünf Bücher besorgt, sucht meistens ein Argument, kein Verständnis.
Wann die Wartezeit keine Wartezeit ist
Es gibt einen Fall, in dem nichts von alldem gilt: Wenn Gewalt im Spiel ist, Angst voreinander oder Kontrolle, dann ist das keine Situation, die ein Paar unter sich überbrücken sollte. Dann braucht es Hilfe von Menschen, und zwar jetzt.
In Deutschland ist das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016 rund um die Uhr und kostenfrei erreichbar, auch anonym und in vielen Sprachen. Bei akuter Gefahr: 110.
Gegenüber ist ein ruhiger Raum für zwei, die sich gerade schwer hören. Ihr sprecht nacheinander in ein Handy, was euch beschäftigt; die App bündelt daraus ein gemeinsames Bild – ohne zu sagen, wer was gesagt hat – und schlägt Wege vor. Entscheiden tut ihr.
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